Merle – Die Königsklasse in der Zucht !

 

Diese Skala zeigt die ununterbrochene Abfolge des Poly(A)-Schwanzes des Merle-Gens als ein Kontinuum rangierend von seinen 200 – 280 Basenpaaren (bp). Das Wort Kontinuum beschreibt dabei, dass die nebeneinander liegenden Bereiche sich kaum unterscheiden, wobei die beiden Enden sehr verschieden voneinander sind. Es ist eine kontinuierliche Abfolge ohne Stop, ohne Unterbrechung und ohne Zwischenstücke. Dies beschreibt auch gut die verschiedenen Merle Phänotypen. Z.B. ein Hund mit m/Ma (253 bp) kann in der Merlierung ähnlich aussehen wie ein Hund mit m/Ma+ (256 bp). Ein Hund mit m/Ma+ (263 bp) kann eine ähnliche Merlierung aufweisen wie ein Hund mit m/M (265 bp).
Da stellt sich nun die Frage, warum die Basenpaare in einzelne Abschnitte und separate Allele heruntergebrochen wurden?
Dies wurde getan, um drei wesentlichen Fragen vieler Züchter Rechnung zu tragen: #1 – Welche Allelkombinationen können Merlierung hervorbringen? #2 – Wie scharf und klar wird das Merle-Muster sein? #3 – Welche Allelkombinationen können verantwortlich sein für das Auslöschen von Pigment zu Weiß beim Merle-Muster?
Dies sind wesentliche Unterscheidungskriterien für einen Züchter, der bestimmte Merle-Muster hervorbringen möchte, die in die vorgegebenen Richtlinien von vielen Rassestandards fallen. Und natürlich ist da der Kernpunkt, wenn ein Züchter keine ‚Doppel-Merle‘ bei der Nachzucht hervorbringen möchte oder darf.

 

Insgesamt unterscheidet man also folgende sieben Merle-Allele: m, Mc, Mc+, Ma, Ma+, M, Mh

m = kein merle
Mc = Cryptic/kryptisches Merle – 200-230 bp
Mc+ = Cryptic/kryptisches Merle+ – 231 – 246 bp
Ma = Atypical/atypisches Merle – 247-254 bp
Ma+ = Atypical/atypisches Merle+ – 255-264 bp
M = Classic/klassisches Merle – 265- 268 bp
Mh = Harlekin Merle – 269-280 bp

Unterschiedliche Längen des Poly-A-Schwanzes der SINE-Insertion am M-Locus sind also verantwortlich für unterschiedliche Allele und damit auch für unterschiedliche Effekte bei der Aufhellung und Musterung des Merles. Je mehr Basenpaare vorliegen, umso „massiver“ der Effekt im Phänotyp! Je kürzer der Schwanz, umso weniger optische Effekte werden erzielt.

Gesundheitliche Risiken bei „Doublemerle“

Den meisten Rassekennern sollte es geläufig sein, dass Merle nicht nur einen Einfluss auf die Farbe, sondern auch auf die Sinnesorgane haben kann (dies äußert sich z.B. in Fehlbildungen der Augen und Ohren, was zu Blindheit und/oder Taubheit führen kann). Aus einer „lustigen“ Farbe, kann also schnell sogar eine richtige Einschränkung für den betroffenen Hund werden. Dieses Risiko für Veränderungen an Ohren und Augen ist deutlich erhöht, wenn Merle in HOMOZYGOTIE vorliegt – also reinerbig ist. Das bedeutet, wenn ein Hund ZWEI dominante Allele für das Merlegen trägt, dann nennt man dies „doublemerle“ und der Effekt, den dieses doppelte Allel verursacht, kann fatal sein (muss es aber nicht, laut älteren Studien sind Doublemerles zu 10% einseitig und zu 15% doppelseitig taub). „Doublemerles“ fallen durch eine massive Aufhellung auf, die sogar zu fast reinweißen Hunden führt, häufig zeigen sie komplett oder teilweise unpigmentierte Lider, Lefzen und Nasen.

In Deutschland ist eine Verpaarung, in der sogenannte Doublemerles fallen können daher aus tierschutzwidrigen Gründen nicht erlaubt.
Dies bedeutet in der Praxis, dass ein Hund mit einem dominanten Allel für Merle nur mit einem Hund ohne dominantes Merle-Allel verpaart werden darf. Die Verpaarung zweier heterozygoter Merlehunde ist in seriösen Verbänden strikt untersagt.
m/m x M/m = (m/m)(M/m) erlaubt
M/m x M/m = (M/M), (M/m), (m/m) nicht erlaubt
In anderen Ländern wird die Verpaarung von Merlehunden untereinander weniger kritisch gesehen und Doublemerles in Zuchtprgorammen sogar gezielt eingesetzt. Ein Doublemerle vererbt mit einem Partner 100% ein Merle-Allel an seine Kinder ! 

Mosaikmerle  – eine Laune der Natur! Wenn man mehr als zwei Allele hat.

Besonders bemerkenswert ist, dass in der Studie gezeigt werden konnte, dass es eine auffallend hohe Rate an Hunden gibt, die nicht nur zwei, sondern sogar drei oder mehr Allele für merle besitzen. Das ist insofern hochspannend, da unter normalen Umständen jedes Individuum logischerweise immer nur eine Genkopie von der Mutter und eine Genkopie vom Vater bekommt – Eizellen und Spermien besitzen jeweils einen halben „Gensatz“ und vereinigen sich dann in der Zygote (also nach der Verschmelzung von Spermium und Eizelle) wieder zu einem doppelten/vollständigen genetischen Bauplan. Die genetische Information des neuen Individuums ist also mit der allerersten fertigen Zelle „festgelegt“ und für alle weiteren Zellen im Teilungsprozess identisch.
Was passiert jetzt bei Mosaizismus? Das Ganze beruht auf einem sehr frühen Mutationsereignis in der embryonalen Entwicklung. Dabei entstehen im fortlaufendem Teilungsprozess durch Mutation/Lesefehler plötzlich 2 genetisch unterschiedliche Tochterzellen, die sich zu weiteren unterschiedlichen Zellkonen teilen. Bildlich gesprochen tanzt sozusagen eine Zelle aus der Reihe und verändert ihr genetisches Material (der Poly-Schwanz der SINE Insertion ist instabil, ein Stück bricht ab und wird damit kürzer), die Zelle teilt sich trotzdem weiter und schafft somit weitere Zellklone, die nun ebenfalls die verkürzte Sequenz des Poly-A-Schwanzes tragen. Aber es haben sich ja nicht alle Zellen verändert, die restlichen Zellen mit der ursprünglich „echten“ Geninformation entwickeln sich ebenfalls weiter zu Zellhaufen. Somit existieren dann 2 genetisch unterschiedliche Tochterzellverbände. Somit kann es passsieren, dass ein Hund 3 Allele für merle trägt – dies nennt man dann Mosaic-Merle.

 

 

Gefährdungspotenzial von Merle-Allelen und ihre Dopplung
Mit dem neuen Wissen um die unterschiedlichen Merle-Allele und ihr unterschiedlich großes Potential auf die Pigmentbildung, sollte auch eins schnell klar werden: wie groß das gesundheitliche Risiko für eine Fehlbildung bei einer sogenannten „Doublemerleverpaarung“ ist, hängt höchstwahrscheinlich auch von der Gesamtlänge der SINE-Insertionen ab und ihren Einfluss auf das SILV-Gen.
Somit gibt es z.B. bei heterozygoten Harlekin-Merles (dem längsten Merle Allel!) einen geringen Anteil von Hunden, die z.B. durch einseitige Taubheit aufgefallen sind. Dies ist evtl. eine plausible Erklärung für den geringen Prozentsatz an heterozygoten Merlehunden mit Schädigungen. Das bedeutet nicht, dass JEDER Harlekinmerle Fehlbildungen aufweist, sondern lediglich, dass bei sehr langen SINE-Insertionen ein kleines Risiko dafür besteht, während es bei kurzen Insertionen praktisch ausgeschlossen ist.
Ein besonderen Stellenwert nimmt hier das Cryptic Merle ein! Cryptic Merle (Mc/m, Mc+/m, Mc/Mc, Mc+/Mc+, Mc+/Mc) verhält sich phänotypisch wie „m“ – also kein merle. Seine SINE-Insertion ist schlichtweg zu kurz, um einen Effekt auszulösen. Diesen Hunden kann man das merle allein durch äußere Betrachtung also nicht ansehen. Das bedeutet, dass Cryptic Merle mit jedem anderem Allel verpaart werden kann! Auch mit anderen Merle-Allelen – es besteht kein erhöhtes Risiko für Defekte, obwohl dadurch genotypisch „Doublemerles“ entstehen.
Interessant in diesem Zusammehang ist, dass vermutlich sehr viel mehr Hunde genotypisch Cryptic Merles sind, ohne dass wir es wissen! Daraus lässt sich schließen, dass vermutlich sogar einige Hunde „Doublemerles“ sind, von denen wir annehmen, dass sie heterozygot für Merle sind.
Etwas kniffliger wird es mit Ma und Ma+ – atypisches Merle bewegt sich im bp Bereich von 247-264bp und ist damit länger als Mc und Mc+ und etwas kürzer als M (klassisches Merle). Man geht davon aus, dass Kombinationen aus Ma/Ma und Ma/Ma+ unbedenklich sind, während für Ma+/Ma+ und Ma/M ein zwar kleines, aber immerhin potentielles Risiko für gesundheitliche Defekte besteht.

Nach wie vor sollte man alle restlichen Allele NICHT miteinander kombinieren – das bedeutet, dass Zuchtstrategien vermieden werden sollten, in denen folgende Genotypen fallen könnten:

Mh/Mh, 

Mh/M,

Mh/Ma+

 Mh/Ma,

M/M oder

M/Ma+

Es besteht ein stark erhöhtes Risiko für schwerwiegende Fehlbildungen der Sinnesorgane!

 

Bislang ist der Test nur bei einen Labor erhältlich ! 

 

 

Testen bei Vemodia in Tschechien, schnell, einfach, Preiswert und genau !

Aktuell gibt es nur ein Labor, das in der Lage ist ALLE Merle-Allele in bp zu erfassen und genau anzugeben – und dies ist Vemodia. Zum Glück ist das Testen des M-Locus absolut unkompliziert – ihr müsst dafür noch nicht mal zum Tierarzt! Einfach ein paar Haare ausrupfen, Auftragsbogen ausdrucken, alles in einen Briefumschlag stecken und ab zur Post! Der Test kostet zur Zeit 47 Euro und ist damit nicht mal besonders teuer!
So einfach geht’s!
📷1) Seite von Vemodia aufrufen http://vemodia.cz/
2) Sprache oben rechts auf englisch (EN) umstellen und dann auf Registration klicken. Dort alle erforderlichen Angaben machen und abschicken!
3) Nach dem Login auf ORDER TEST klicken -> Genetic profiling of animals –> dog –> F –> French Bulldog —-> unter client alle erforderlichen Angaben zum Hund machen, der getestet werden soll, anschließend ganz nach unten scrollen (Postage wird nicht benötigt!) und Haken bei Merle coat pattern SILV SINE insertion (m/Mc/Mc+/Ma/Ma+/M/Mh) setzen. Danach auf Basket klicken. Falls weitere Hunde getestet werden sollen, einfach über den Button ORDER TEST Prozedur für jeden Hund beliebig wiederholen.
4) Bestellvorgang mit drücken des „Order“ Buttons im Basket abschließen. Eine Mail und ein Link mit den entsprechenden Auftragsbögen erscheinen im Anschluss. Der Betrag kann einfach per paypal bezahlt werden (einfach den Button auf dem Auftragsbogen klicken, um direkt zu Paypal weitergeleitet zu werden). Eine Bezahlung mittels Überweisung ist ebenso möglich.
5) Auftragsbogen ausdrucken
6) Hände waschen, saubere – am Besten im Vorfeld gut beschriftete – Tütchen mit Verschluss bereitlegen, sauberen Hund an unterschiedlichen Stellen des Haarkleides mittels entschlossenem Zupfen ein bisschen Fell ausrupfen (wichtig: mit Haarwurzeln!) und in die entsprechenden Tütchen einsortieren. Alternativ würde ich zusätzlich 2 bis 3 Backenabstriche machen. Bei kurzen Fell bietet sich an eine Pinzette zur Hilfe zu nehmen.
7) Auftragsbogen und Proben in einen Briefumschlag legen und nach Tschechien schicken (Adresse steht auf dem Bogen!).
8) Emails checken! Man erhält eine Nachricht wenn die Proben im Labor eingehen und bekommt wenig später alle Ergebnisse per Email zugesandt. In meinem Fall hat es vom Tag des Versandes, bis zum Erhalt der Ergebnisse genau 7 Tage gedauert (bezahlt über paypal). Die Abwicklung war absolut problemlos!

Eine bitte an euch. Falls jemand eine Französische Bulldogge  testen lässt wäre es nett das Ergebnis an uns zu schicken ! 

 

 

 

 

 255 Ma+

269 Mh

268 M/m

268 M/m

Weiterführende Links und Quellenangaben

1] https://www.merle-sine-insertion-from-mc-mh.com/ Mary Langevin, Pionierin auf dem Gebiet der neuen Merle-Allele und Züchterin von Louisiana Leopard Catahoula Dogs

2] https://www.biorxiv.org/content/early/2018/05/22/328690 Merle phenotypes in dogs – SILV SINE insertions from Mc to Mh

3] http://vemodia.cz/ Testlabor für alle Merle-Allele, inkl Angabe der Basenpaare und Chromatogramm

4] https://www.facebook.com/groups/245793505958325/ Facebookgruppe über Testresultate und Merlefärbung

5] http://mockingjay-shelties.de/aktuelle-forschung-zum-m-locus-merle/